Exhibitionismus vs. Datenschutz

Aufgrund eines interessanten Artikels auf heise.de habe ich mir heute meine eigenen Gedanken gemacht, wie ich persönlich mit den sogenannten “Social-Networks” umgehe und in Ihnen agiere.

Seit vielen Jahren habe ich ein Profil auf XING, eingeladen wurde ich Mitte 2004 von einem Geschäftskontakt, als die Plattform übrigens noch openBC hieß. In den ersten Jahren bin ich mit eigenen Kontaktanfragen und -bestätigungen relativ sparsam umgegangen und so hatte ich bis Anfang 2008 zwar “nur” knapp 100 Kontakte, die dafür aber zu über 90% gute, qualifizierte Kontakte waren. Dies änderte sich dann in der Insolvenzphase der Maxdata relativ schnell. Einige Headhunter kamen hinzu, aus den Anfragen ergaben sich sogar einige Interviews. Desweiteren vor allem weitere ehemalige Kollegen, mit denen ich in Kontakt bleiben wollte. Mit dem neuen Arbeitgeber kamen dann relativ schnell einige neue Kollegen hinzu, sodass ich Stand heute rund 190 bestätigte Kontakte habe. Die Nutzungsfrequenz und -intensität hat im Moment deutlich nachgelassen, obwohl der sogenannte “Aktivitätenindex” immer noch auf 100% steht.

In anderen Social-Networks bin ich nicht aktiv. WKW, Lokalisten, die “VZ”-Seiten … für mich uninteressant und mein altes LinkedIn Profil fällt auch eher in die Kategorie Karteileiche.

Was das jetzt alles mit dem oben verlinkten Artikel zu tun hat? Die Facebook-Bewegung ist sehr lange an mir vorbei gegangen, irgendwann hatte ich von einem Freund eine “Einladung” bekommen, angemeldet und keine 10 Minuten später das Konto wieder deaktiviert. Die Aufmachung gefiel mir nicht und einen wirklichen Nutzen konnte ich auch nicht erkennen. Das war vor gut einem Jahr. Vor wenigen Wochen wurde ich aufgrund der vielen Presseberichte, Anmerkungen in Podcasts etc. doch wieder neugierig und habe das Profil reaktiviert. Erschreckt hat mich, dass ich in sehr kurzen Abständen tatsächlich von vielen ehemaligen Arbeitskollegen und/oder Bekannten angeklickt wurde. Mein Ego ist nicht so groß, dass ich behaupten würde, dass Leute täglich schauen, ob ich mich endlich auf FB rumtreibe. Also irgendwas läuft in deren Datenbank. Ich habe keine gesicherten Informationen, wie es funktioniert, lediglich eine Idee:

  • Jemand legt sich einen Account an und lässt von FB wahlweise seinen E-Mail Account/iPhone/Handy/… nach möglichen FB-Kontakten durchsuchen
  • Es werden natürlich auch die Adressen gespeichert, die noch nicht zu einem bereits existierenden FB-Account passen
  • Registriert sich diese Person zu einem späteren Zeitpunkt mit eben dieser Adresse, könnte durch einen “Rückwärts”-Abgleich die Verbindung hergestellt werden, man bekäme diese Personen selbst vorgeschlagen, gleichzeitig bekommt der Andere (der ursprünglich mal seine Kontakte hat durchforsten lassen) die Meldung über “Könntest Du kennen” Angebote

Möglicherweise funktioniert es auch anders. Fakt ist jedenfalls, und das wird von FB ja auch nicht bestritten, dass man viele Daten speichert, um seinen Kunden einen höchst möglichen Nutzen zu bieten.

“Genau wie jedes andere Online-Adressbuch speichert auch Facebook die hochgeladenen Kontakte”, erklärt das Unternehmen dazu auf Anfrage von heise online. Für den Anbieter ist das eine Dienstleistung (Quelle)

Ich frage mich, wie exhibitionistisch muss man selbst sein, wieviel von seiner Privatsphäre wird man freiwillig aufgeben müssen, um sinnvoll an diesen Portalen teilnehmen zu können und was darf der Anbieter von sich aus zusätzlich mit diesen Daten anfangen und wo wird durch Vernetzung von Daten eine Grenze überschritten, die für den Einzelnen nicht mehr hinnehmbar sein muss. Ich glaube, dass die bestehenden Datenschutzregelungen nicht weit genug gehen und der Gesetzgeber mit den Entwicklungen im Internet nicht Schritt halten kann. Ob es im Zusammenhang mit den zuletzt häufiger aufkommenden Datenschutzdiskussionen zielführend war, eine Juristin(!), Jahrgang 1949 zur neuen “Bundes-CIO” zu ernennen, wage ich auch zu bezweifeln. Ich glaube, wir brauchen eine noch stärkere, öffentliche Diskussion zum Thema Datenschutz und vor allem stärkere Aufklärung, was im Internet passiert, aber auch was nicht.

Ich für meinen Teil habe mich entschlossen, das Experiment auf FB noch einige Tage oder Wochen weiter zu führen, um mich dann zu entscheiden, ob der Account aktiv bleibt, oder erneut schlafen gelegt wird. Ich werde an dieser Stelle darüber berichten.

2 Comments

  1. Charleigh says:

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