Gedanken zum iPad

Dass Apple in dieser Woche mit einem “Tablet-Device” um die Ecke kommt ist ja ansich keine große Überraschung gewesen. Und trotzdem hat es Steve Jobs auf seiner Keynote wieder geschafft, die versammelte Fachpresse mit einem neuen Produkt zu überraschen, das man so nicht erwartet hätte. Ich muss zugeben, ich bin auf der einen Seite etwas enttäuscht, auf der anderen Seite passt dieses Produkt aber konsequent in die Apple Produktpalette und strategische Ausrichtung des Konzerns.

Apple iPad

Bildquelle: Apple PR

Für mich kontrovers: das Design. Auf der einen Seite typisch Apple, hochwertige Anmutung, sehr flach, weniger ist mehr. Auf der anderen Seite, haben wir hier nicht mehr als einen aufgeblasenen iPod Touch.

Der Bildschirm:

IPS Paneltechnologie, toll, aber 1024*768 ist ganz schön 2000er, im Jahr 2010 darf man doch wohl einen höher aufgelösten Bildschirm erwarten, vor allem, wenn man die von Steve Jobs mehrfach angekündigte “Best Web Experience” mit dem Gerät erleben möchte. Leider nicht entspiegelt.

Apropos, kein Flash:

Man entwickelt ein Gerät für die “Best Web Experience” und es kann kein Flash. Natürlich geht Flash nicht gerade schonend mit Rechenleistung um, zehrt somit an der Akkulaufzeit und wird häufig auch für Werbebanner “missbraucht”. Dennoch - das Web ist voll von Flash und solange HTML5 noch nicht fertig ist, fehlt nunmal etwas zum ultimativen Interneterlebnis. Im Flashblog wurde das mal ganz nett zusammengefasst.

Ein möglicher Grund erschließt sich vielleicht erst auf den zweiten Blick. Mit der Integration von Flash würde Apple die Kontrolle über das Gerät und die Applikationen, die darauf laufen, verlieren.

“Dafür gibt es eine App”:

Die Kontrolle, was auf dem iPad läuft und was nicht hält Apple, wie auch schon beim iPod touch und iPhone, über den Appstore. Was auf der einen Seite ein Vorteil sein kann, im Hinblick auf die Stabilität des Gesamtsystems, ist auf der anderen Seite eine starke Einschränkung für den ansich mündigen Nutzer, der in letzter Konsequenz nicht selbst bestimmen kann, was er auf seinem Gerät machen kann und was nicht.

Schön ist allerdings, dass alle im Moment verfügbaren iPhone/iPod touch Anwendungen bereits auf dem iPad laufen und was man so liest, automatisch auf das iPad transferiert werden können.

Ob der Zwang iTunes verwenden zu müssen jetzt Fluch oder Segen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Preis:

Die in den USA angekündigten Preise, ab 499$ geht es los, empfinde ich als angemessen. Ärgerlich ist, dass das integrierte 3G Modul erst mit einer leichten zeitlichen Verzögerung verkauft wird. Hier wird man, wie üblich,  die Early Adopters abschöpfen. Man darf davon ausgehen, dass die genannten Dollarpreise 1:1 in Europreise umgerechnet werden.

Fazit:

Ich gebe zu, das iPad hat Charme. Und wie auch das iPhone hat es das Potential ein Stück weit die Webwelt zu verändern und das Internet, Musik, Videos usw. im Alltag präsenter und selbstverständlicher werden zu lassen. Die Schwächen, die das iPad im Moment hardwareseitig hat, wird Apple vielleicht schnell beheben. Was fehlt ist eine Kamera, damit könnte Videotelefonie über Skype, endgültig einen Massenmarkt erreichen.

Trotz aller Kritik, Apple wird auch mit diesem Produkt erfolgreich sein und wenn man jungen Produktmanagern beibringen möchte, wie man ein Produkt erfolgreich “launcht”, kommt man an den Präsentationen von Apple nicht vorbei.

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